Funding-Rate-Arbitrage

Von Kraken Learn team
7 Min.
18. Juni 2026
Wichtige Erkenntnisse
  1. Finanzierungsrate-Arbitrage ist eine Möglichkeit, Finanzierungszahlungen aus dem Krypto-Futures-Markt zu vereinnahmen, ohne dabei direktionales Preisrisiko einzugehen. Du hältst gleichwertige, gegenläufige Positionen in Spot und Perpetual Futures, sodass sich Preisbewegungen ausgleichen und die Finanzierungsrate zu deiner GuV wird.

  2. Der Gewinn kommt aus der Finanzierungsrate, nicht aus Preisbewegungen. Steigt oder fällt BTC, gleichen Spot-Gewinne Perp-Verluste aus – und umgekehrt. Das direktionale Netto-P&L liegt bei annähernd null.

  3. Die drei Hauptrisiken sind Rate Flip, Basisrisiko und Ausführungskosten. Eine negative Finanzierungsrate kehrt den Cashflow um. Basisbewegungen zehren an der Absicherung. Bei niedrigen Finanzierungsraten können Trading-Gebühren die vereinnahmten Finanzierungszahlungen übersteigen.

  4. Die Strategie ist am sinnvollsten, wenn die Finanzierungsrate über mehrere Tage durchgehend erhöht ist, nicht aufgrund eines einzelnen hohen Werts.

  5. Das unterscheidet sich grundlegend vom Hedging einer Spot-Position. Hedging schützt eine bestehende Position vor Abwärtsrisiken. Finanzierungsrate-Arbitrage eröffnet eine neue Position, um gezielt eine Differenz bei der Finanzierungsrate zu vereinnahmen.


Einführung in die Funding-Rate-Arbitrage

Wenn die BTC-Finanzierungsraten dauerhaft positiv sind, erhalten Short-Positionen bei jedem Finanzierungsintervall Zahlungen von Long-Positionen. In den USA erfolgt dies alle 8 Stunden. In der EU und anderen Regionen erfolgt dies stündlich. Wenn du gleichzeitig Long-Spot und Short-Perps hältst, ist dein direktionales Risiko null und die Finanzierungszahlung ist dein P&L.

Das ist Funding-Rate-Arbitrage. Die Strategie ist nicht risikofrei. Die drei Hauptrisiken sind: Rate-Flip (die Rate wird negativ, und du zahlst statt zu kassieren), Basisrisiko (Spot- und Perp-Preise divergieren) und Ausführungskosten (bei niedrigen Raten können die Gebühren die Finanzierungseinnahmen übersteigen). Hier erfährst du, wie jedes davon genau funktioniert.

Wie Finanzierungsraten funktionieren und was sie antreibt, erklären wir in unserem Leitfaden: Finanzierungsraten erklärt.

Was ist Funding-Rate-Arbitrage?

Funding-Rate-Arbitrage ist eine Delta-neutrale Strategie: Du hältst gleichzeitig eine betragsmäßig gleiche, entgegengesetzte Position in Spot und Perpetual Futures, um die Finanzierungsrate zu kassieren und dabei das direktionale Preisrisiko auszuschalten. Im traditionellen Finanzwesen ist diese Strategie auch als Cash-and-Carry-Trade bekannt.

Die Strategie unterscheidet sich in einem wichtigen Punkt vom Hedging einer Spot-Position (siehe Spot-Portfolio mit Perps absichern). Beim Hedging hältst du bereits eine Spot-Position und eröffnest einen Short-Perp, um sie vor Kursverlusten abzusichern. Die Spot-Position bestand bereits vor dem Hedge. Bei der Funding-Rate-Arbitrage eröffnest du dagegen beide Legs gleichzeitig, gezielt um Finanzierungszahlungen zu kassieren. Keine der beiden Positionen existierte zuvor. Die Mechanik ist identisch, aber Absicht und Kontext unterscheiden sich.

So funktioniert die Strategie

Schritt 1: Identifiziere eine anhaltend hohe positive Finanzierungsrate auf einem Perp. Beispiel: BTC-PERP bei +0,05 % pro 8-Stunden-US-Intervall oder die entsprechend erhöhte Rate auf stündlicher Basis für EU- und ROW-Perpetuals.

Schritt 2: Kaufe den entsprechenden Betrag im Spot-Markt. Beispiel: 1 BTC bei 60.000 $ = 60.000 $ Long-Spot. Der Nominalwert ist der Gesamtwert einer Position in Dollar – nicht das Kapital, das du zur Eröffnung als Margin hinterlegst. Wenn du 1 BTC zu 60.000 $ long gehst, beträgt dein Nominalwert 60.000 $, selbst wenn du nur einen Bruchteil davon als Margin hinterlegt hast. Bei einem Delta-neutralen Setup eliminieren übereinstimmende Nominalwerte auf beiden Seiten das Preisexposure: 60.000 $ Spot gleichen 60.000 $ Short-Perp aus – unabhängig vom Hebel.

Schritt 3: Eröffne einen Short-BTC-PERP mit gleichem Nominalwert. Beispiel: 1 BTC-PERP short bei 60.000 $.

Schritt 4: Das Netto-Delta liegt jetzt bei ungefähr null. Wenn BTC steigt, gewinnt die Spot-Position und der Short-Perp verliert ungefähr denselben Betrag. Wenn BTC fällt, gilt das Umgekehrte.

Schritt 5: Bei jedem Finanzierungsintervall erhält die Short-Perp-Position die Finanzierungszahlung von den Long-Positionen. In den USA findet dies alle 8 Stunden statt; in der EU und anderen Regionen stündlich.

Praktisches Beispiel:

  • Finanzierungsrate: +0,05 % pro 8-Stunden-/1-Stunden-Periode = 0,15 % pro Tag
  • Nominalwert: 60.000 $
  • Tägliche Finanzierungseinnahmen: 60.000 $ × 0,15 % = 90 $
  • Nach 30 Tagen bei gleicher Rate: ca. 2.700 $ brutto vor Kosten

Hochgerechnet auf ein Jahr entspricht eine tägliche Rate von 0,15 % ungefähr 55 %. Dies ist eine illustrative Jahreshochrechnung einer bestimmten Rate zu einem bestimmten Zeitpunkt. Die Finanzierungsraten ändern sich bei jedem Finanzierungsintervall. In den USA erfolgt dies alle 8 Stunden. In der EU und anderen Regionen erfolgt dies stündlich. Eine Rate von +0,05 % in einem Intervall kann im nächsten -0,01 % betragen. Orientiere dich bei der Entscheidung am täglichen Dollarbetrag relativ zu deinen Kosten – nicht an der Jahresrate.

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Finanzierungsrate-Arbitrage vs. Hedging: der entscheidende Unterschied

Die Mechanik der Finanzierungsrate-Arbitrage und des Hedgings eines Spot-Portfolios sind identisch: Long Spot plus Short Perp. Der Unterschied liegt im Kontext und in der Absicht.

Hedging wird angewendet, wenn du bereits Spot besitzt und dein Abwärtsrisiko über einen bestimmten Zeitraum reduzieren möchtest. Die Spot-Position existiert bereits, bevor du dich für das Hedging entscheidest. Finanzierungsrate-Arbitrage wird eingegangen, wenn du eine Finanzierungsdifferenz erkannt hast, die es zu nutzen gilt, und beide Positionen zu diesem Zweck neu eröffnet werden.

Zusammenfassung in einem Satz: Hedging schützt eine bestehende Position. Finanzierungsrate-Arbitrage schafft eine neue Position, um eine Finanzierungsdifferenz zu nutzen.

Eine ausführliche Erklärung der Hedging-Mechanik mit durchgerechneten Beispielen findest du in unserem Leitfaden zum Hedging eines Spot-Portfolios mit Perps.

Die Risiken: lies das, bevor du einen Trade eröffnest

Ratenumkehr-Risiko

Finanzierungsraten ändern sich alle 8 Stunden in den USA und jede Stunde in der EU und anderen Regionen. Eine Finanzierungsrate von +0,05 % pro US-Intervall kann sich morgen ins Negative umkehren – dasselbe gilt für die entsprechenden Raten in der EU und anderen Regionen. Wird die Rate negativ, zahlt der Short-Perp Finanzierungsraten, anstatt sie zu kassieren.

Die Strategie kehrt sich von ertragreich zu kostspielig um. Finanzierungsraten-Trends können sich bei stark direktionalen Marktbewegungen oder Verschiebungen im Markt-Leverage schnell ändern. Um das Risiko zu begrenzen, beobachte Finanzierungsraten-Trends aktiv und geh nicht davon aus, dass eine erhöhte Rate anhält.

Basisrisiko

Spot-Preis und Perp-Preis sind nicht immer identisch. Diese Differenz bezeichnet man als Basis. Wenn der Perp beim Schließen der Position mit einem Abschlag zum Spot gehandelt wird, ist der Gewinn aus dem Short-Perp geringer als der Verlust auf der Spot-Seite – die Absicherung bleibt hinter dem Ziel zurück.

Die Basis kann sich in Phasen hoher Volatilität oder bei Zwangsverkäufen ausweiten – oft genau dann, wenn du den Trade schließen möchtest. Mehr zum Spot-Futures-Spread findest du im Artikel Basis-Trading.

Ausführungs- und Haltekosten

Beim Eröffnen einer Spot-Position und eines Short-Perp fallen auf beiden Seiten Trading-Gebühren an. Die Margin des Short-Perp verursacht Opportunitätskosten. Bei niedrigen Finanzierungsraten können diese Kosten die eingenommenen Finanzierungsraten übersteigen. Die Strategie lohnt sich nur, wenn die Finanzierungsrate deutlich und dauerhaft über deiner Gesamtkostengrenze liegt.

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Wann Finanzierungsraten-Arbitrage sinnvoll ist

Die Strategie ist am sinnvollsten, wenn drei Bedingungen erfüllt sind:

  1. Die Finanzierungsrate liegt mehrere Tage lang konstant über deiner Gesamtkostenschwelle – nicht nur bei einem einzelnen erhöhten Wert.
  2. Die Basis zwischen Spot und Perp ist stabil und weitet sich nicht unerwartet aus.
  3. Du kannst die Position lang genug halten, bis die vereinnahmten Finanzierungsrate-Zahlungen die Trading-Gebühren und Opportunitätskosten übersteigen.

Break-even-Beispiel: Betragen die Round-Trip-Trading-Gebühren 0,04 % des Nominalwerts (24 Dollar bei 60.000 Dollar), musst du täglich mehr als 24 Dollar an Finanzierungsrate einnehmen, um in den Gewinn zu kommen. Bei 0,05 % pro 8-Stunden-Periode (90 Dollar pro Tag bei 60.000 Dollar) deckt die Strategie die Kosten und erwirtschaftet netto rund 66 Dollar pro Tag. Bei 0,01 % pro 8-Stunden-Periode (18 Dollar pro Tag) deckt sie die Kosten nicht.

Diese Zahlen basieren auf dem 8-Stunden-Abrechnungsmodell für den US-Markt. Für die EU und andere Nicht-US-Regionen wird dieselbe Tagesrate bei proportional niedrigeren Stundenwerten erreicht – die täglichen Dollar-Erträge sind bei gleichwertigen Raten identisch.

Die Strategie eignet sich am wenigsten, wenn die Finanzierungsrate nahe null liegt oder in den letzten Tagen volatil war, der Markt stark gerichtet ist (die Basis kann in Trendmärkten stark schwanken) oder die Ausführungskosten einen erheblichen Teil der erwarteten Finanzierungsrate ausmachen.

Wie du Finanzierungsraten-Signale liest und bewertest, ob eine Rate anhalten wird, erfährst du unter Finanzierungsraten als Strategiesignal.

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Perpetual Futures, auch „Perps" genannt, sind Derivat-Kontrakte, mit denen du auf Preisbewegungen von Assets wie BTC, SOL und ETH spekulieren kannst, ohne die tatsächlichen Kryptowährungen besitzen zu müssen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Funding-Rate-Arbitrage ist eine Delta-neutrale Strategie, bei der du gleichzeitig eine Long-Spot-Position und eine Short-Position in Perpetual Futures mit gleichem fiktivem Wert hältst, um Finanzierungsratenzahlungen zu vereinnahmen und dabei das direktionale Preisrisiko auszuschalten. Der Gewinn entsteht aus dem Differenzial der Finanzierungsrate – nicht aus Preisbewegungen. Die Strategie funktioniert am besten, wenn Finanzierungsraten anhaltend erhöht und stabil sind, birgt aber Risiken wie die Umkehrung der Finanzierungsrate, Basisrisiko und Ausführungskosten, die die vereinnahmte Finanzierungsrate übersteigen können, wenn die Raten niedrig sind.

Es gibt drei Hauptrisiken. Erstens das Rate-Flip-Risiko: Die Finanzierungsrate kann negativ werden, sodass die Short-Perp-Position Finanzierungsraten zahlen muss statt sie einzunehmen – die Strategie kehrt sich von profitabel zu kostspielig um. Zweitens das Basisrisiko: Wird der Perp beim Schließen der Position mit einem Abschlag gegenüber dem Spot gehandelt, bleibt die Absicherung hinter der Spot-Entwicklung zurück und schmälert den Finanzierungsertrag. Drittens die Ausführungskosten: Trading-Gebühren und Opportunitätskosten der Margin können die eingenommenen Finanzierungsraten übersteigen, wenn die Finanzierungsraten niedrig sind. Die Strategie erfordert anhaltend hohe Finanzierungsraten, um rentabel zu sein, sowie eine aktive Überwachung, um es zu bleiben.

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