Mit Krypto leihen: Krypto-Kredit erklärt
Krypto-Kredit ist ein Sammelbegriff für verschiedene zentralisierte und dezentrale Kreditvergabe- und Kreditaufnahmeaktivitäten mit Kryptowährungen.
Krypto-Kredite bedienen vielfältige Anwendungsfälle für Privatpersonen, Trader und Institutionen: Sie eröffnen Arbitrage-Chancen, liefern Renditen und setzen Liquidität frei.
Krypto-Kredite sind allerdings nicht ohne Risiko. Kunden sollten Due Diligence betreiben und sich der Risiken bewusst sein, bevor sie Krypto-Kredite nutzen oder anbieten.

Was ist Krypto-Kreditvergabe? 👥
Bei Krypto-Krediten verleiht eine Partei Kryptowährung an eine andere.
Ähnlich wie bei einer Kreditkarte oder einem klassischen Kredit erhält der Kreditnehmer Geld vom Kreditgeber und verpflichtet sich, den Betrag über die Laufzeit vollständig samt Zinsen zurückzuzahlen.
Im Kryptobereich lässt sich dieses einfache Konzept auf verschiedene Arten umsetzen: Ein Krypto-Kredit kann eine simple Vereinbarung zwischen Freunden sein, über einen zentralisierten Zwischenhändler zur Abwicklung der Transaktion laufen oder über eine dezentrale, auf Smart Contracts basierende Instanz erfolgen, die die vertraglichen Konditionen programmatisch durchsetzt.
Auch wenn das Endergebnis letztlich dasselbe ist, hat jede dieser Optionen ihre eigenen Vor- und Nachteile.
Warum einen Krypto-Kredit nutzen? 🤷♂️
Krypto-Kredite können für beide Seiten der Transaktion attraktiv sein. Schauen wir uns ein paar Szenarien an.
Krypto-Bestände halten
Alice hält große Mengen an Bitcoin (BTC) und geht davon aus, dass der Preis mit der Zeit steigen wird. Gleichzeitig braucht sie aber einen kurzfristigen Kredit, um unerwartete Rechnungen zu begleichen.
Sie möchte ihre BTC nicht verkaufen und dabei mögliche Kurssteigerungen verpassen. Deshalb entscheidet sie sich, ihre BTC stattdessen über eine zentralisierte Plattform zu verleihen und aus ihren ungenutzten Assets Zinsen zu erwirtschaften.
In diesem Fall bleibt Alice weiterhin Eigentümerin ihrer Krypto: Sie profitiert weiter von künftigen Kurssteigerungen und erhält gleichzeitig Zinsen in Fiat-Währung. Je nach ihrem Wohnsitz kann sie zusätzlich von einer günstigeren steuerlichen Behandlung profitieren, da sie ihre BTC nicht verkauft und somit keine Gewinne realisiert hat.
Bessere Position mit Hebel
Bob hat eine gründliche technische Analyse durchgeführt und ist überzeugt, dass Ether (ETH) im kommenden Jahr an Wert gewinnen wird.
Er hält bereits eine ETH-Position, möchte diese aber vergrößern. Er hinterlegt seine ETH als Sicherheit in einem Smart Contract und erhält dafür eine bestimmte Menge frisch geminteter Stablecoins.
Mit den neu erhaltenen Stablecoins kauft Bob weitere ETH, die er wiederum in den Smart Contract einzahlt, um daraus weitere Stablecoins zu entnehmen. Er wiederholt dieses „Looping“ so lange, bis er eine deutlich größere ETH-Position aufgebaut hat und noch stärker von künftigen Kurssteigerungen profitieren kann.
Hinweis: Diese Strategie funktioniert nur, wenn der Preis von ETH steigt. Fällt er hingegen, verstärkt Bob seine Verluste, da die Stablecoin-Kredite vollständig zurückgezahlt werden müssen, um seine ursprünglichen Einzahlungen wieder freizugeben.
Token oder mögliche Airdrops verdienen
Als echte DeFi-Poweruserin bleibt Priya bei allen Entwicklungen im dezentralen Finanzwesen am Ball und nutzt Protokolle mit attraktiven Anreizen.
Sie stößt auf eine neue Kreditplattform auf Solana und beschließt nach etwas Recherche, SOL zu verleihen, um vom hohen APY zu profitieren.
Hinzu kommen Gerüchte über einen bevorstehenden Airdrop – aus ihrer Sicht der beste Weg, um ihre Chancen darauf zu erhöhen.

Wie funktionieren Krypto-Kredite? ⚙️
Wir haben uns konzeptionell angesehen, wie Krypto-Kredite funktionieren. Werfen wir nun einen genaueren Blick auf die verschiedenen Kreditarten.
Besicherte Kredite
Hypotheken, Autokredite und Pfandleihgeschäfte sind Beispiele für besicherte Kredite, bei denen der Kreditnehmer eine Sicherheit hinterlegen muss, um an die Einlagen zu gelangen.
Besicherte Kredite können Kreditgebern mehr Sicherheit bieten: Fällt der Kreditnehmer aus, kann der Kreditgeber die Sicherheit verkaufen, um seine Verluste auszugleichen.
Im Krypto-Bereich sind diese Kreditarten sowohl auf zentralen als auch auf dezentralen Plattformen verbreitet. Zahlt der Kreditnehmer den Kredit samt Zinsen nicht zurück, verliert er seine Assets. Alternativ kann der Kreditnehmer die Rückzahlung verweigern – der Kreditgeber kann die Sicherheit dann liquidieren oder einbehalten.
Protokolle für die Krypto-Kreditvergabe setzen in der Regel eine Überbesicherung voraus: Kreditnehmer müssen mehr Sicherheiten hinterlegen, als sie an Kredit erhalten. Das bietet Kreditgebern eine zusätzliche Absicherung. Auf der Plattform MakerDAO etwa können Kunden DAI minten, indem sie Assets hinterlegen, deren Wert die gewünschte DAI-Kreditsumme übersteigt.
Um DAI zu leihen, muss ein Kunde beispielsweise Assets im Wert von 150 % der DAI-Kreditsumme hinterlegen. So ist der Kreditgeber ein Stück weit abgesichert, falls der Wert der hinterlegten Assets unter die Kreditsumme fällt.
Unbesicherte Kredite
Studienkredite, Kreditkarten und Dispokredite gelten als unbesicherte Kredite. Der Kreditnehmer muss keine Sicherheit zur Absicherung des Kredits hinterlegen. Bei ausbleibender Rückzahlung müssen Kreditgeber rechtlich gegen die Kreditnehmer vorgehen.
Aufgrund der hohen Anonymität im Krypto-Bereich sind solche Kredite auf Blockchain-basierten Plattformen praktisch nicht zu finden. Einige zentrale Anbieter (z. B. Goldfinch, Ondo Finance und Centrifuge) betreiben jedoch Plattformen für unbesicherte Krypto-Kredite und setzen vor der Kreditvergabe eine strenge KYC-Prüfung voraus.
Flash Loans
Eine Besonderheit im Kryptobereich sind Flash Loans. Technisch gesehen handelt es sich um unbesicherte Kredite mit einer einzigartigen Bedingung: Die geliehenen Mittel müssen innerhalb derselben Transaktion zurückgezahlt werden, in der sie aufgenommen wurden – in der Regel innerhalb weniger Sekunden.
Du fragst dich vielleicht, was man mit einem Kredit in nur wenigen Sekunden anfangen kann?
Möglich wird das durch Smart Contracts, die Transaktionen mit dem Flash Loan sofort ausführen können.
Aufgrund ihrer Komplexität werden Flash Loans meist von erfahrenen Entwicklern genutzt, die über das nötige technische Know-how verfügen, um einen Smart Contract zu erstellen, der:
-
den Kredit anfragt.
-
den Kredit über DeFi-Protokolle einsetzt.
-
ihn (samt Zinsen) innerhalb einer einzigen Transaktion zurückzahlt.
Wird der Kredit nicht innerhalb desselben Transaktionsblocks zurückgezahlt, wird die Transaktion rückgängig gemacht, als hätte sie nie stattgefunden. Das bedeutet: Die Einlagen fließen automatisch an den Kreditgeber zurück und schützen ihn so vor dem unbesicherten Kreditnehmer.
Wie könnte also jemand einen Flash Loan einsetzen?
Stell dir vor, jemand bemerkt eine Preisdifferenz für Chainlink (LINK) zwischen zwei verschiedenen dezentralen Börsen (DEXs).
Diese Person entscheidet sich, die Arbitrage-Gelegenheit mit einem großen Flash Loan zu nutzen, und bereitet dazu eine Reihe von Smart Contracts vor, die den Trade programmatisch ausführen.
Innerhalb weniger Sekunden empfängt der Kreditnehmer den Flash Loan, führt seine Strategie aus und zahlt die Einlagen samt Zinsen zurück.
In diesem Szenario hat er den Trade erfolgreich ausgeführt und einen Gewinn erzielt, ohne eigene Mittel zu riskieren.

Krypto-Kreditvergabeplattformen und ihre Vorteile 🏆
In diesem Artikel haben wir die zwei Arten von Krypto-Kreditvergabeplattformen erwähnt: zentralisierte und dezentrale. Sehen wir uns diese Kategorien und ihre Vorteile genauer an.

Zentralisierte Kreditplattformen
Zentralisierte Krypto-Kreditvergabe-Protokolle können entweder eigenständige Plattformen oder Teil des Produktangebots einer Kryptobörse sein.
Bei dieser Art von Plattform fungiert das Unternehmen als Zwischenhändler: Es bündelt die Einlagen der Kunden, stellt sie Kreditnehmern zur Verfügung und legt Zinssätze und Gebühren fest.
Vorteile:
-
Besserer Kundensupport: Zentralisierte Plattformen bieten oft einen umfassenderen Kundensupport.
-
Benutzeroberfläche/Nutzererlebnis (UI/UX): Sie bieten in der Regel ausgereiftere und benutzerfreundlichere Oberflächen.
-
Rückabwicklung von Transaktionen: Sie können versehentliche Transaktionen auf der Plattform möglicherweise rückgängig machen.
Dezentrale Kreditplattformen
Dezentrale Kreditplattformen funktionieren ähnlich wie zentrale, allerdings ohne Zwischenhändler. Die Verwaltung übernehmen Smart Contracts in Blockchain-Netzwerken wie Ethereum oder Solana.
Einlagen fließen in einen Liquiditätspool, und die Zinssätze werden algorithmisch festgelegt, meist auf Basis von Angebot und Nachfrage. Das Protokoll setzt die Kreditbedingungen durch.
Vorteile:
-
Keine Zwischenhändler: Jeder kann ohne KYC oder Identitätsprüfung auf diese Plattformen zugreifen.
-
Transparenz: Smart Contracts sind öffentlich prüfbar, wodurch die Plattformen transparenter werden.
-
On-Chain-Abläufe: Alle Transaktionen und Abläufe finden auf der Blockchain statt.
Um das Ausfallrisiko zu begrenzen, verlangen dezentrale Plattformen von Kreditnehmern eine Überbesicherung: Sie müssen also mehr Krypto hinterlegen, als sie sich leihen können. Das schafft eine zusätzliche Sicherheitsebene für die Plattform.
Die Risiken der Krypto-Kreditvergabe ⚠️
Die Krypto-Kreditvergabe birgt – ob auf zentralen oder dezentralen Plattformen – viele der gleichen Risiken wie andere Blockchain-Anwendungen und -Plattformen:
-
Zentrale Plattformen: Zentrale Plattformen stellen einen Single Point of Failure dar. Sie können gehackt werden oder Insolvenz anmelden, sodass Kunden ihre Einlagen nicht mehr zurückholen können. Anders als traditionelle Finanzinstitute, die oft über regulatorische Schutzmechanismen zur Entschädigung ihrer Kunden verfügen, bieten Krypto-Plattformen solche Absicherungen in der Regel nicht.
-
Dezentrale Plattformen: Auch dezentrale Plattformen sind Exploits oder Hacks ausgesetzt. Aufgrund ihrer verteilten Struktur haben Kunden bei einem Ausfall des Protokolls möglicherweise noch weniger Möglichkeiten, ihre Ansprüche geltend zu machen. Der Code ist zwar meist öffentlich einsehbar und prüfbar, doch für den durchschnittlichen Kunden kaum verständlich.
Wie bei jeder Entscheidung ist eine sorgfältige Due Diligence zu empfehlen. Prüfe unbedingt das Team, die Zinssätze und – bei dezentralen Plattformen – auch die Tokenomics, die Architektur und den Audit-Status.
Bedenke außerdem: Die hohe Volatilität von Krypto kann plötzliche Margin-Calls auslösen, falls der Wert deiner Sicherheiten zu stark fällt – behalte die Krypto-Preise also stets im Blick.
Investiere nur, was du dir zu verlieren leisten kannst. Selbst besonders robust wirkende Projekte können ausgefeilten Hacks zum Opfer fallen oder sich als Fälle von Veruntreuung von Kundengeldern entpuppen. Häufig wird Tradern empfohlen, einem einzelnen Protokoll niemals mehr Einlagen zuzuteilen, als sie zu verlieren bereit sind.

Wo fange ich an? 🌱
Willst du deine Krypto für dich arbeiten lassen? Dein wichtigstes Kriterium dürfte der Zinssatz sein. Je höher dieser Prozentsatz, desto höher deine Rendite im festgelegten Zeitraum.
Verschaff dir einen Überblick über die führenden Anbieter und Protokolle in diesem wachsenden Bereich – es gibt viele, und jeder unterscheidet sich in Konditionen, Zinsen und Anforderungen.
Ein aktueller Artikel von Koinly nennt unter anderem CoinRabbit, Nexo und Unchained Capital als beliebte Optionen.
Lies das Kleingedruckte, um besondere Bedingungen zu erkennen: Manche Plattformen bieten höhere Zinsen, verlangen aber, dass die Einlagen für eine feste Laufzeit gebunden sind. Andere bieten zwar niedrigere Zinsen, erlauben dafür aber jederzeitige Auszahlungen.
Sobald du eine Plattform gefunden hast, die zu deinen Bedürfnissen passt, registriere dich über den vorgesehenen Ablauf. Die gewählte Plattform kann dich nach einem Adress- und Identitätsnachweis sowie weiteren Kontaktdaten fragen.
Erste Schritte mit Kraken
Bei Kraken kannst du viele beliebte Kryptowährungen einfach kaufen und traden – und sie anschließend über verschiedene DeFi-Protokolle verleihen oder als Sicherheit hinterlegen.
Beginne noch heute deine Krypto-Reise!
